Das erste Halbfinale 2016 – Von Leuchttürmen, gefallenen Engeln und Discokings

Der gestrige Abend und somit das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest 2016 wurde von Petra Mende und Vorjahressieger Mans Zelmerlöw im Globen in Stockholm eröffnet. Zu Beginn konnten wir eine Wiederholung der Echtkindversion von Mans Heroes aus dem Melodifestivalen ansehen. Nach einer kurzen Einleitung der Moderatoren ging es dann schon mit den Interpreten los. Ich werde jetzt nicht wirklich auf jeden einzelnen Titel eingehen sondern nur das erwähnen, was mit im Speziellen aufgefallen ist. So gab es einen Song den ich Live richtig gut fand und diverse songs bei denen die Lirekünste einfach nicht ausreichten um mich von ihnen zu überzeugen. Letzteres ist ja eher der Normalzustand als Ersteres.

 

Als erstes kommen wir mal zu Finnland. Man merkte dass Sandhja sehr aufgeregt war und sie ein Weilchen brauchte um ihre Form zu finden. Das war allerdings eindeutig zu lange und das Kind mit etlichen schiefen Tönen schon in den Brunnen gefallen. Zwar machte sie, von diesem Jumpsuit den sie getragen hat mal abgesehen, eine gute Figur, das stimmliche ist aber durchaus noch ausbaufähig. Übrigens Jumpsuit frisst Mu*Pieeep* war in unserem ESC-Facebook-Chat noch eines der netteren „Komplimente“. Man hatte das Gefühl, dass der Anzug Sandhja dermaßen die Luft abschnürt dass der Song darunter zu leider hatte. Hoffentlich war das der letzte Job für denjenigen der dieses Verbrechen zu verantworten hat.

Achja Argo, was hast du mir in der Studioversion so gut gefallen? Live war das nichts. Völlig unterirdischer Gesang der beiden Sängerinnen, denen es besser gestanden hätte, wenn sie noch 3 oder 4 Banking Vocals gehabt hätten. Das war aber nicht der Fall, da sie schon zu 6 aufgetreten sind. Dieser Song ist recht speziell und wenn er dann auch noch schief gesungen wird, ist dann auch nichts mehr zu retten. Somit verpasste Griechenland zum ersten Mal, seit die Semis 2004 eingeführt wurden, die Teilnahme am Finale.

So etwas anmaßend fand ich es schon Serhat als Leonard Cohen zu beschreiben. Aber gewisse Parallelen findet man natürlich. Auch Cohen war sehr oft von Frauen umgeben die ihm als Banking Vocals dienten. Herhat hingegen wäre fast mit seiner Stimme gnadenlos an diesen gescheitert. Zwar ist die Discoversion eine deutlich Verbesserung im Vergleich zu dem Original, allerdings blieb von seinem Sprechgesang nur äußerst wenig übrig. Nichtsdestotrotz ist mit der Retrodiscosong durchaus ans Herz gewachsen und es lag sicherlich daran dass er sich nicht qualifiziert hat, dass das kleine Land keine sonderliche Reputation hat. Wahrscheinlich dachte die Mehrheit der Zuschauer der song sei von Ralph Siegel komponiert und vielleicht gab es deshalb nur so wenige Stimmen.

Ein bisschen merkwürdig finde ich es ja, dass mich Montenegro immer wieder zu überraschen vermag. Das von mir im Vorfeld belächelte Igranka von Who See 2013 gehört für mich immer noch zu einem der besten Eurovision Songs überhaupt. Fast so kam es auch in diesem Jahr. Vielleicht brauche ich etwas um mich mit Dubstep anzufreunden, denn auch bei dem diesjährigen Song von Highway – The Real Thing ist das ein Grundelement des Songs. Ich fand auch den Livegesang deutlich besser und weicher als bei Spotify oder Youtube.  Im Endeffekt tat es mir dann doch Leid, dass sie sich nicht qualifizieren konnten.

Ein unwillkürliches Zucken in den Beinen überfällt mich jedes Mal wenn ich Freddie mit Pioneer auf der Bühne sehen. Ich muss dann immer nur auf die Background Sänger schauen und mitteilen. Unfassbar wie mich das in eine Trance versetzen und beruhigen kann. Jeweils wird diese Stimmung nur durch das plötzliche in die Hände klatschen und Kampfschrei ausstoßen unterbrochen. Nein nicht von mir sondern von den Sängern. Trotzdem oder gerade deswegen bin ich sehr froh über die Qualifikation dieses tollen Songs und dass ich auch am Samstag wieder mitwirken kann.

Ein Wort noch zu Bosnien & Herzegowina, deren Auftritt mich etwas verstört zurückgelassen hat. Zu Beginn des Songs die Großaufnahme auf die mit sehr großer Beinfreiheit und Netzstrümpfen ausgestattete Ana Rucner mit Ihrem Instrument dazwischen hat mich schon sehr mitgerissen. Ein Deen, der mittlerweile mit weniger Haare auf dem Kopf und fast verlorenem oder dem Alter geschuldeten Hüftschwung im Vergleich zu seiner unfassbar tuckigen Performance 2004 eher behäbig daherkam, ganz in schwarzem Leder gekleidet. Das war mir alles zu viel und fast so unbedingt gewollt wie bei Russland, nur verzweifelter. Den Song find ich nicht schlecht aber die Performance war mir zu anstrengend.

Am bedrückendsten an dem Abend war allerdings der außer Konkurrenz auftretende Intervall Act der Grey People, die die Flüchtlingswelle auf der ganzen Welt thematisierte. 

 

Bei einem weiteren Intervall Act waren die Moderatoren inkognito als Taxifahrer unterwegs und vermeintlich völlig ahnungslose ESC Touristen durften mitfahren und gaben sich überrascht als sie die beiden erkannten. Zu allem Überfluss gesellte sich dann noch Vera Serduchka (ESC 2007 2. Platz) dazu und alle sangen gemeinsam deren Hit Dancing Lasha Tumbai. Sehr lustig! Ob das wirklich authentisch war kann ich hier nur schwer beurteilen, denn zwei der Taxiinsassen sind zwei der Blogger von Wiwibloggs, ein Schelm wer an Zufälle glaubt.

 

Trotz der guten Show habe ich auch hier einen kleinen Kritikpunkt. Was waren denn das für Postkarten? Total uninspirierte Filmchen, die ganz im Gegensatz zu den letzten Jahren nichts mit dem Gastgeber- oder Teilnehmerland zu tun hatten. Schade eigentlich!

 Als letzten Punkt möchte ich noch die Vorstellung der Big 5 und des Gastgeberlandes, in diesem Semi in Form von Frankreich, Spanien und Schweden eingehen. Ein video von der Probe zu nehmen passt wesentlich besser zum Setting als ein Studiovideo zu zeigen wie in den letzten Jahren. Muß man dazu allerdings das schiefste Gesinge aussuchen? Frankreich war schier unerträglich und hat mich völlig entsetzt zurückgelassen.

Zusammenfassend:

Ins Finale kamen Ungarn, Kroatien, Niederlande, Armenien, Russland, Tschechien, Zypern, Österreich, Aserbaidschan und Malta. Ausgeschieden sind hingegen Finnland, Griechenland, Moldawien, San Marino, Estland, Montenegro, Island und Bosnien & Herzegowina.

ESC 2016
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