Das erste Semi 2014: Kleinere Überraschungen und Buhrufe

Der deutsche Zuschauer wurde beim Einschalten des ersten Semis vor schwerwiegende Probleme gestellt, sollte er sich für den Spartenkanal EinsPlus entschieden haben um sich dieses anzusehen. Sofern er nicht einen 60 Zoll Fernseher besitzt, war die unsägliche Twitterwall, die den halben Bildschirm ausfüllte, das alles dominierende Objekt. Das Fernsehbild der Übertragung war dann auf knapp einem Viertel des Fernsehers verkleinert. Ob das Öffentlich-Rechtliche es jemals lernt mit Social Media in adäquater Weise umzugehen wird von Jahr zu Jahr unwahrscheinlicher. Obwohl ich einen 40 Zoll Fernseher besitze war der eingeblendete Text im minimalistischen ESC Fenster nicht zu lesen. Toll gemacht ARD!

Aber nun zum eigentlichen Semi. Alle Teilnehmer haben sich deutlich showorientierter gezeigt als in der Vergangenheit wie man schon bei den Rehearsals im Ansatz erkennen konnte. Die vielfältigen Lichtinstallationen, die mir der Bühne in diesem Jahr möglich sind, waren sehr beeindruckend. Dies wurde vor allem beim Intervallact zu Hans Christian Andersens „Das Hässliche Entlein“ sehr deutlich gezeigt.

Die größte Überraschung neben dem Finaleinzug von San Marino war sicherlich, daß der Altmeister des deutschen Schlagers Ralph Siegel höchstpersönlich seine Nummer auf der Bühne am Flügel begleitete. Was wir nicht erkennen konnten war, wie er es auf die Bühne geschafft hatte. Bei dem Abgang schien der, um es vorsichtig und nicht respektlos auszudrücken, in die Jahre gekommene Komponist, von der zierlichen Valentina Monetta gestützt zu werden. Dies konnte natürlich täuschen und vielleicht sind sie auch nur Arm in Arm von der Bühne runtergegangen. Ob es nun der letzte Auftritt Siegels beim ESC sein wird und er deshalb, seit 1983 erstmalig, wieder eine Eurovisionsbühne betrat werden wir in den nächsten Jahren sehen. Allerdings bestehen nun für ihn gute Chancen Deutschland abzustrafen, daß sie ihn nicht mehr ranließen, indem er sich tatsächlich im Grand Final vor unseren Mädels Elaiza platzieren könnte. Die Chancen waren für ihn nie so groß wie in diesem Jahr.

Die zweite größere Überraschung für mich war sicherlich der Finaleinzug von den Niederlanden, die einen Song präsentierten, der mich im Vorfeld äußerst kalt ließ. Die Inszenierung war aber sehr gut gewählt und auch im Green Room, der sich in diesem Jahr zwischen Bühne und Zuschauern direkt in der Halle befand, versprühten Ilse und ihre Mitstreiter pure Freude und wedelten ständig mit der niederländischen Fahne in die Kameras. Ihr Weiterkommen war also absolut verdient und ich bin gespannt ob, wie Peter Urban es ausdrückte, durch den Finaleinzug der Niederländer für Deutschland ein Paar Punkte vom Nachbarland abfallen. Die könnten wir sicher gebrauchen.

Beim ESC-fairytales Voting wurden sie schon ins Finale gewählt, aber nach immer mehr negativeren Stimmen und der Auswertung der Youtube Klicks und bei den Buchmachern hatte ich selbst nicht mehr an eine Qualifizierung von Island geglaubt. Allerdings wurde ich gestern Abend dann doch wieder belehrt daß alle Prognosen durch das Televoting zunichte gemacht werden können. Der bunte und spaßmachende Auftritt von Pollapönk kam sehr gut bei den Zuschauern an und sie konnten sich somit auch für das Finale am Samstag qualifizieren.

Was mich dann doch an diesem gestrigen Abend sehr gestört hat war das Ausbuhen der russischen Zwillinge bei Bekanntgabe der Qualifikation. So ein Verhalten geht gar nicht. Das hat zwar nicht persönlich was mit den sympathischen Russinnen zu tun, sondern galt vielmehr der Politik ihres Staatsoberhauptes, allerdings sind diese Gesten völlig deplatziert. Bei einer Veranstaltung bei der von allen Seiten immer Respekt gefordert wird, und immer betont wird, daß es keine politische Veranstaltung ist, sollte man dies gefälligst unterlassen.

Überblick des ersten Semis:

1 Armenien Aram Mp3
2 Lettland Aarzemnieki
3 Estland Tanja
4 Schweden Sanna Nielsen
5 Island Pollapönk
6 Albanien Hersi Matmuja
7 Russland Tolmachevy Twins
8 Aserbaidschan Dilara Kazimova
9 Ukraine Maria Yaremchuk
10 Belgien Axel Hirsoux
11 Moldawien Cristina Scarlat
12 San Marino Valentina Monetta
13 Portugal Suzy
14 Niederlande The Common Linnets
15 Montenegro Sergej Cetkovic
16 Ungarn Andras Kallay-Saunders
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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Warum sollte man das? Ist doch schliesslich Demokratie. Ich habe mitgebuht und ich bin stolz auf die Leute, die Russland ausgebuht haben. Denn die haben mehr Eier, Rueckrat und Moral bewiesen, als die Leute die fuer dieses Land gevotet haben. Wer fuer Russland votet, der unterstuetzt damit auch die Politik Russlands. Es waere der absolute Supergau, wenn Russland gewinnen wuerde. Ich befuerchte das es zu Manipulationen seitens von Russland kommen koennte.

  • Gut das du so viel fundiertes Wissen über Politik besitzt.

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