1. Halbfinale 2018 – Gedanken

Gestern Abend ist unser Favorite Event endlich gestartet. Volle Frauenpower wurde von dem portugiesischen Fernsehen RTP aufgeboten. Gleich vier(!) Moderatorinnen wurden vorgestellt, neben Filomena Cautela, Sílvia Alberto und Catarina Furtado kam noch Schauspielerin Daniela Ruah (Navy CIS: L.A.) dazu. Kennt Ihr nicht? Ich auch nicht. Nachdem wir letztes Jahr von den drei Moderatoren in Kiew angeödet wurden, dachte man es kann nicht mehr schlimmer werden. Mann, was haben wir uns geirrt. Irgendwie hat das ganze mittlerweile System, denn im deutschen Vorentscheid hatten wir auch die aufgesetzeste Moderation seit Langem. Früher war irgendwie mehr Lametta!

Man sitzt ja doch in der ESC Bubble fest und es ist oft so, dass man sich langsam aber sicher Lieder schön hört, oder sich von anderen Stimmen in der Blase beeinflussen lässt. Ich hätte mich bei der ersten Startnummer Aserbaidschan eher an meine eigenen Meinung erinnern sollen als der Song vorgestellt wurde: Dreamteam versemmelt Song. Auch lässt man sich leicht von den Ausschnitten aus den Proben beeinflussen und die muteten sehr eurovisionell an. Durch das alles und noch den Fakt dass Aserbaidschan sich bisher in jedem Halbfinale qualifizieren konnte, stimmuliert so lange die kognitiven Wahrnehmungszentren des Gehirns bis man den Song schließlich für weiterkommenswürdig befindet. Großer Fehler und nicht der einzige an diesem Abend. Nein ein weites Flatterndes Nachthemd mit Flügelärmeln, Windmaschine und barfuß vor blauem Hintergrund reicht noch nicht für den Finaleinzug, auch wenn die Komponisten Dimitris Kontopoulos und Sandra Bjurman heißen.

Das fehlen der LED Wand wurde für ein paar Interpreten zur Stolperfalle. Sind die Künstler oder ihre Crews nicht mehr in der Lage ein funktionierendes Bühnenbild zu entwerfen? Die stygischen Schwestern aus Belgien und Kroatien wunderten sich doch wohl nicht wirklich warum sie ausgeschieden sind. Gleiche Schiene was Song, Bühnenbild, welches Bühnenbild und Outfit betraf. Das sowas nicht gut sein kann sollte doch von vornherein klar sein.

Aber es gab auch gute Shows. Am Besten fand ich hier Saarah Aalto für Finnland. Die Show war stimmig und gut inszeniert. Auch von Netta für Israel war ich angenehm überrascht. Dass sie den Looper den sie nun doch nicht benutzen durfte gegen ein LED Leuchtpad austauschte, gab dem Auftritt das gewisse Etwas.  Bulgarien, meinen Lieblingssong in diesem Jahr fand ich hingegen nicht sonderlich ansprechend inszeniert. Während des gesamten Auftritts wollte der Funke nicht so richtig auf mich überspringen. Erst zum Ende hin wurden vereinzelt ein Paar Glückshormone ausgeschüttet aber in sehr begrenztem Rahmen. Vielleicht war alles einfach zu perfekt geplant. Apropos perfekt, die Schweiz war es sicher nicht. Furchtbar anstrengendes, man mag fast schon sagen verzweifeltes, Gekreische hätte ich unmöglich weiterwählen können. Getoppt wurde das ganze nur noch von Mazedoniens Frontfrau Marija Ivanovska, die nicht nur äußerst schief gesungen hat, sondern auch noch wunderbar vulgär gekleidet war. Sie hätten sich ein Beispiel an Armenien nehmen sollen. Der wunderbare Sevak nahm seinen Gesang in den hohen Tönen eher zurück und ließ seine Backgroundsänger diese Töne singen. So saßen sie, nicht wie bei dem Vorentscheid, wo doch einiges daneben ging. Leider konnte er sich trotzdem nicht qualifizieren. Litauen konnte bei der Inszenierung überzeugen, ebenso wie Irland. Aber beide Songs ist eher Ramschware. Die Anrufer für Irland wollten doch nur Russland eine Lehre erteilen, indem sie nun sicherstellen, dass sie bei einer Finalqualifikation den LGBTIQ-Beitrag auch ausstrahlen müssen. Ein bischen Schadenfreude zaubert sich da auch auf mein Gesicht, das muß ich ehrlich zugeben. Aber leider ging das auf Kosten von Armenien oder Griechenland, deren Songs um Welten besser waren.

Über den Beitrag aus Österreich freue ich mich am meisten. Sympathischer Sänger ohne viel Schnickschnack, wenn man von der Hebebühne, den Lichtsäulen und Feuerwerken absieht, der den mittelprächtigen Song richtig gut rüber bringen konnte. Ich glaube wir werden nach dem ESC noch mehr von Cesár Sampson hören. Nun zur Favoritin Eleni aus Zypern. Die zu 2/3 aus Beinen und zu 1/3 aus Haaren bestehende Sängerin hat mich tatsächlich nicht so sehr begeistert, wie man es durch die Vorabclips oder Berichte erwarten konnte. Das bühnenbild passte nicht zu den Klamotten, ich sag nur lila Adler vor lila Hintergrund. Das einzige AH-Erlebnis hatte ich bei dem Screen mit den Feuerflügeln. Ansonsten wirkte die gesamte Performance auf mich etwas billig. Mal schauen ob es im Finale nochmal diesen WoW-Effekt für viele Zuschauer gibt.

Die Intervall-Acts bzw. Showeinlagen/Sketche der Moderatoren oder das vollkommen unwitzige Planet Portugal konnte meine Begeisterung in keinster Weise steigern. Vielleicht hätte man sich hier ein Beispiel an Schweden nehmen können, bei denen die Pointen egal was sie in die Hand oder in den Mund nehmen immer auf dem Punkt sind.

Immerhin haben sie die Big 5 nicht übermäßig mit Gequatsche belästigt und die Musikstücke in guter Länge gezeigt. Ich würde es trotzdem besser finden, wenn auch diese und das Gastgeberland in den stimmberechtigten Halbfinalen Liveauftritte hätten. So könnte sich das Publikum schon einmal mit den Titeln auseinandersetzen und sie, wie die anderen Songs auch, nicht erst am Samstag quasi zum ersten Mal komplett sehen. Aber die Richtung stimmt schon einmal. Aber bitte liebe Portugiesen: müssen diese krampfhaft lustigen Scherze wirklich sein? Ja, SuRie wirkt surreal, haha wie lustig! Und Amaya und Alfred aus Spanien: könnt ihr euch bitte jetzt endlich mal ein Zimmer nehmen oder dürft ihr das erst nach dem ESC um das Feuer zu erhalten? Das krampfhaft zur Schau gestellte Verhältnis ödet mich so an. Achja die Okulele Einlage von Portugal war ok :D.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass ich mir bei dem vermeintlich starken Teilnehmerfeld etwas mehr erhofft hatte, das kann aber daran liegen dass man im voraus immer größere Hoffnungen hegt, die dann vielleicht nicht erfüllt werden können. Dummerweise sehe ich für das morgige zweite Semi keine viel bessere Show und hoffe nur dass am Samstag dann der Knoten noch platzt und uns die Unrerhaltung präsentiert wird, die wir auch erwarten.

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