Italien gewinnt den Eurovision Song Contest 2021

Letztendlich hatten die Buchmacher doch recht und Italien gewinnt zum ersten Mal seit 1990 den Eurovision Song Contest. Alle vier Bandmitglieder sind zwischen 1999 und 2001 geboren und waren somit beim letzten Sieg von Toto Cutugno noch nicht einmal auf der Welt. Obwohl sie so jung sind, strahlen sie bei ihrem selbst geschriebenen  Hardrocksong Zitti e buoni eine wahnsinnige Bühnenpräsenz aus. Das konnte letztendlich die Televoter überzeugen, ihnen die höchste Punktzahl zu geben. Die Jurys waren hier zögerlicher und sahen die Italiener erwartungsgemäß nicht ganz vorne aber auf einem guten 4. Platz.

Insgesamt erlebten wir einen sehr vielseitigen Contest, der ohne den üblichen, vorab gehypten, Beitrag auskam und uns somit ein sehr spannendes Voting bot. Insgesamt vier Länder konnten sich bis zum Ende Hoffnung auf den Sieg machen. Neben Italien lagen auch Jurygewinner Schweiz, Frankreich und Malta sehr gut im Rennen. Als erstes musste sich Destiny von ihren Gewinnerträumen verabschieden, als sie im Televoting nur magere 47 Punkte erhielt. Sie fiel damit sogar noch hinter Island, Ukraine und Finnland zurück und erreichte schließlich Platz 7. Barbara Pravi konnte ihre Punkte auch beim Televoting ungefähr verdoppeln und wurde am Ende Zweite. Auch Gjion musste beim Televoting Federn lassen und sich am Ende mit Rang drei begnügen. Ich finde es nach wie vor schwierig, dass der Juryfavorit während des Votings mehrmals kurz interviewt wird, obwohl seit Beginn des neuen Votingsystems 2016 nur der Portugiese nach dem Gewinn des Juryvotings 2017  auch nach dem Televoting ganz vorne stand.

Deutschland

Jendrik konnte für Deutschland wie erwartet nur sehr weit hinten landen. Normalerweise wäre ich sehr erbost über den deutschen Beitrag, allerdings finde ich dass er seine Sache gut gemacht hat. Im Rahmen des Contest hat er uns mehr Spaß gemacht, als alle schlecht abschneidenden deutschen Teilnehmer der vergangenen Jahre. Um im europäischen Vergleich konkurrenzfähig zu sein müssten wir hier eine andere Art von Song schicken. Vielleicht bekommt Jendrik noch einmal die Chance mit einem besseren Song. Spontan fällt mir hier als Vergleich Valentina Monetta ein, die nach ihrem wirklich peinlichen Facebook Song ja auch mit zwei deutlich besseren Songs später punkten konnte.

Edith: Leider hat sich Jendrik wahrscheinlich im alkoholisierten Zustand nicht an die eiserne Regel „Beiße nie die Hand, die dich füttert“ gehalten und sich in einem spontanen Statement vor deutschen Pressevertretern zu äußerst unklugen Aussagen hinreißen lassen. Danach sieht es so aus, dass er absichtlich ein schlechteres Lied für den Wettbewerb eingereicht hat. Mit diesem war er sich sicher die deutsche Jury überzeugen zu können. International gut abzuschneiden war ihm wohl völlig egal, er wollte nur dabei sein und Spaß haben.

Das kann man jetzt bewerten, wie man möchte. Als eingefleischtem ESC-Fan verpasst einem so eine Aussage natürlich ein Stich mitten ins Herz. Das Dementi dürfte im Laufe des Tages folgen, sobald der NDR gemerkt hat, welchen PR-Gau ausgelöst wurde. Die Delegationsleiterin Alexandra Wolfslast, die ebenfalls bei dem Interview dabei war, hätte hier eingreifen müssen.

Voting

Wie fast erwartet war die größte Diskrepanz bei der Punktevergabe zwischen Jury und Televoting der Song aus der Ukraine. Platz zwei gab es von den Zuschauern, aber nur Patz 9 von den Jurys.  Eher von den Jurys favorisierte Songs kamen von Malta, Portugal, Belgien und Bulgarien. Die Televoter präferierten eher Litauen, Finnland, Serbien und Norwegen. Ansonsten hielten sich die Punkte in etwas die Wage. Viermal vergaben die Zuschauer 0 Punkte. Großbritannien, sogar mit Doppel-Null, Deutschland, Spanien und die Niderlande. Am Ende gab es dadurch das kuriose Ergebnis, dass von den Big 5 und dem Gastgeberland 2 auf den ersten zwei Plätzen landeten und der Rest auf den letzen Vier.

Die auffälligste Bewertung ging an Moldawien. Wie man deutlich hören konnte, war das stimmliche Qualität von Nathalia nahezu nicht vorhanden. Ohne den Bgleitgesang vom Band wäre das noch peinlicher geworden als es ohnehin war. Dennoch gab es von Seiten der Juys sowohl von Bulgarien als auch von Russland 12 Punkte. Der gut vernetzte Komponist Filip Kirkorov ist in Bulgarien geborener Russe. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Vielleicht sollten wir im nächsten Jahr ihn als Komponist für den deutschen Beitrag auswählen *Ironie off.

PlatzStartnr.LandInterpretLied
Musik (M) und Text (T)
JuryZuschauerGesamt
1.24ItalienMåneskinZitti e buoni
M/T: Måneskin
206318524
2.20FrankreichBarbara PraviVoilà
M: Barbara Pravi, Igit; T: Barbara Pravi, Igit, Lili Poe
248251499
3.11SchweizGjon’s TearsTout l’univers
M: Wouter Hardy, Nina Sampermans, Gjon Muharremaj; T: Wouter Hardy, Nina Sampermans, Gjon Muharremaj, Xavier Michel
267165432
4.12IslandDaði og Gagnamagnið10 Years
M/T: Daði Freyr
198180378
5.19UkraineGo_ASCHUM
ШУМ
M: Taras Schewtschenko, Kateryna Pawlenko; T: Kateryna Pawlenko
97267364
6.16FinnlandBlind ChannelDark Side
M/T: Aleksi Kaunisvesi, Joonas Porko, Joel Hokka, Niko Moilanen, Olli Matela
83218301
7.6MaltaDestinyJe me casse
M/T: Malin Christin, Amanuel Dermont, Nicklas Eklund, Pete Barringer
20847255
8.18LitauenThe RoopDiscoteque
M: Vaidotas Valiukevičius, Robertas Baranauskas, Mantas Banišauskas, Laisvūnas Černovas, Ilkka Wirtanen; T: Vaidotas Valiukevičius, Mantas Banišauskas, Kalle Lindroth
55165220
9.5RusslandManizha
Манижа
Russian Woman
M: Ori Avni, Ori Kaplan, Manizha; T: Manizha
104100204
10.10GriechenlandStefania
Στεφανία
Last Dance
M: Dimitris Kontopoulos, Arcade; T: Dimitris Kontopoulos, Arcade, Sharon Vaughn
9179170
11.17BulgarienVictoria
Виктория
Growing Up Is Getting Old
M/T: Wiktorija Georgiewa, Maya Nalani, Helena Larsson, Oliver Björkvall
14030170
12.7PortugalThe Black MambaLove Is on My Side
M/T: Pedro Tatanka
12627153
13.14MoldauNatalia GordienkoSugar
M: Dimitris Kontopoulos, Filipp Kirkorow; T: Michail Guzerijew, Sharon Vaughn
5388141
14.25SchwedenTusseVoices
M/T: Joy Deb, Linnea Deb, Jimmy „Joker“ Thörnfeldt, Anderz Wrethov
4663109
15.8SerbienHurricaneLoco loco
M: Nemanja Antonić, Darko Dimitrov; T: Sanja Vučić
2082102
16.1ZypernElena Tsagrinou
Έλενα Τσαγκρινού
El diablo
M/T: Jimmy „Joker“ Thörnfeldt, Laurell Barker, Oxa, Thomas Stengaard
504494
17.3IsraelEden Alene
עדן אלנה
Set Me Free
M/T: Noam Zlatin, Ido Netzer, Amit Mordechai, Ron Carmi
732093
18.22NorwegenTIXFallen Angel
M: Andreas Haukeland; T: Andreas Haukeland, Mathias Haukeland, Emelie Hollow
156075
19.4BelgienHooverphonicThe Wrong Place
M/T: Alex Callier, Charlotte Foret
71374
20.21AserbaidschanEfendiƏfəndiyevaMata Hari
M/T: Amy van der Wel, Luuk van Beers, Josh Earl, Tony Cornelissen
323365
21.2AlbanienAnxhela PeristeriKarma
M: Kledi Bahiti; T: Olti Curri
223557
22.26San MarinoSenhit feat. Flo RidaAdrenalina
M/T: Chanel Tukia, Jimmy „Joker“ Thörnfeldt, Joy Deb, Kenny Silverdique, Linnea Deb, Malou Ruotsalainen, Senhit Zadik Zadik, Suzi Pancenkov, Thomas Stengaard, Dillard Tramar
371350
23.23Niederlande (Gastgeber)Jeangu MacrooyBirth of a New Age
M: Jeangu Macrooy, Pieter Perquin (Perquisite); T: Jeangu Macrooy
11011
24.13SpanienBlas CantóVoy a quedarme
M/T: Blas Cantó, Leroy Sanchez, Daniel Ortega „Dangelo“, Dan Hammond
606
25.15DeutschlandJendrikI Don’t Feel Hate
M/T: Jendrik Sigwart, Christoph Oswald
303
26.9Vereinigtes KönigreichJames NewmanEmbers
M/T: James Newman, Conor Blake, Danny Shah, Tom Hollings, Samuel Brennan
000

Einen Tag vorher: wer ist (not-)hot und wer gewinnt den ESC?

Nach den beiden Halbfinalen und dem enttäuschenden Ausscheiden von Dänemark, die zwischenzeitlich bis auf Platz 15 der Wettquoten vorrücken konnte, gibt es neue interessante Entwicklungen zu beobachten.

Gewinner der Halbfinale:

  • Portugal: Die schwarze Mamba hat zugebissen und katapultiert sich im direkten Vergleich vom Vortag des ersten Halbfinals bis heute um sage und schreibe 8 Plätze nach vorne. Mit all den Discostampfern ist die wohltuende Ruhe des Songs sehr wahrscheinlich der Grund für den Höhenflug.
  • Finnland: In dem selben Zeitraum schaffte es Finnland sich 7 Plätze zu verbessern. Die Mainstream kompatibelen Rocker überzeugten vor allem durch ihre Energie bei ihrem Auftritt gestern Abend. Es sieht fast so aus, als ob sie das beste Ergebnis für die arg gebeutelten Finnen seit Lordi einfahren können. Dazu müssten sie besser abschneiden als Softengine die 2012 den 11. Platz erreichen konnten.
  • Ukraine: Immerhin 4 Plätze verbesserten sich Go_A mit ihrem Elektrosong Shum. Nicht auszudenken was sie mit ihrem Vorjahressong Soloway hätten erreichen können.
  • San Marino: Senhit konnte mit Flo Rida endlich ihren Auftritt komplettieren. Für mich war sie ja schon eine der Gewinner:innen der Proben. Allerdings war davon bei den Wettquoten nichts zu sehen. Jetzt endlich ging es 4 Plätze nach oben, und somit in die Top Ten.

Verlierer der Halbfinale:

  • Zypern: Wie fast schon erwartet, schaffte es Elena nicht mit dem x-ten Aufguss von Elenis Fuego das Publikum und die Wettanbieter zu überzeugen und musste ihre gewonnenen sieben Plätze wieder einbüßen. Sie steht damit wieder auf dem selben Platz 12 wie vor den Proben.
  • Griechenland: Stefania konnte mit ihrem Auftritt überhaupt nicht überzeugen und viel ebenfalls um 7 Plätze auf Platz 17 zurück. Vermutlich liegt es an dem seelenlosen Videoclip Auftritt im zweiten Halbfinale. Man möchte ja beim ESC einen richtigen Liveauftritt sehen, keinen Auftritt mit Greenscreen, der nur am Fernseher funktioniert.
  • Bulgarien: Bei Bulgarien konnte ich nie verstehen, warum so viele Leute darauf setzen. Anfangs war Viktoria sogar auf Platz 5. Jetzt spiegelt die Platzierung eher die Qualität des Songs wieder, es ging zurück auf Platz 11.

Wer gewinnt denn jetzt den ESC?

Das kann man nur schwer einschätzen. In diesem Jahr gibt es keinen richtigen Favoriten, sondern mehrere Künstler:innen, die die Chance haben ganz vorne zu stehen. Ich wage es trotzdem mal eine Prognose abzugeben. Ich folge hier nicht den Buchmachern, für die Italien auf der Favoritenposition stehen. Man darf aber nicht vergessen, dass sie mit Finnland einen starken direkten Konkurrenten fürs Finale bekommen haben. Außerdem schließe ich es nahezu aus, dass sie von den Jurys genügend Punkte bekommen.

Für mich hat Frankreich die besten Chancen zu gewinnen. Normalerweise sind es ja eher die Jurys, die auf Chansons stehen, allerdings konnte Barbara im französischen Vorentscheid schon zeigen, dass sie auch das Televoting gewinnen kann. Ich glaube das morgen Frankreich als Sieger ganz oben stehen wird.

Wer gewinnt (vielleicht) den ESC – Die Quoten der Buchmacher

Die einen lieben die Wettquoten um einen Überblick über die favorisierten Songs zu bekommen, die anderen hassen sie. Aber wie kommen sie eigentlich zustande? Meist sind es Profizocker, die sich die Stimmungen der Bubble einfangen und dann auf die favorisierten Songs setzen in der Hoffnung Geld zu gewinnen. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass die bei den Buchmachern favorisierten Beiträge die der Fans wieder spiegeln. Wir bekommen also die Plätze nicht von einem ominösen Buchmacher diktiert, sondern es bildet meist nur unsere Meinung ab. Dies erfolgt meist sehr genau. Seit 2007 hatte sie spätestens am Tag des Contests den richtigen Sänger ganz vorne. Nur dreimal ging das schief: Ell&Niki, Conchita und Jamala waren nie ganz vorne bei den Quoten.

Die einzelnen Platzierungen sind sicher nicht ausschlaggebend aber man kann eine ganz gute Tendenz ablesen. Die Proben haben das Tableau noch einmal richtig durcheinander gewirbelt.

Die Hits

Italien: Måneskin liegt auf der 1, ja ihr habt richtig gelesen. Heute haben sie die Spitze erklommen. Ich würde mich bei einem Gewinn ehrlich gesagt gruseln und glaube in keinster Weise daran, dass die Italiener den Sieg erreichen können. Aber wer weiß?

Island: Daði og Gagnamagnið wurden im Gegensatz zum vergangenen Jahr zu Beginn nur auf Platz 8 geranked. Seit dem ging es aber immer Bergauf und nun kratzen sie mit Platz 4 schon am Treppchen.

Zypern: Gleich dahinter finden wir den Hit, der die meisten Plätze gutgemacht hat. Wird das Teufelchen Elena Tsagrinou vielleicht das Dark Horse mit dem niemand rechnet und das dann ganz vorne steht? 7 Plätze hat sie in den letzten 6 Wochen gut gemacht, alleine heute 2.

Russland: Manizha konnte 3 Plätze gutmachen, steht aber aktuell außerhalb der Top 10 auf Platz 11.

Die (S)hits

Schweden: Den größten Abflug hat Tusse gemacht, für ihn ging es 6 Plätze nach untenbis Platz 12. Ob es an der eher schlechten stimmlichen Leistung durch die Operation lag, oder daran dass Schweden vorab immer zu gut bewertet wird, werden wir sehen.

Schweiz: Ja, richtig gelesen, Gjion konnte durch seinen Auftritt nicht wirklich überzeugen. Stimmlich Top, Bühnenbildtechnisch eher Mau ist der allgemeine Konsens. Mir gefällt der Auftritt. Aber vielleicht könnte er die künstlichen Bewegungen weglassen.

Norwegen: Warum Engel TIX einen Abflug von 6 Plätzen gemacht hat, kann ich mir nicht erklären. Er hat doch überhaupt nichts an seinem Auftritt im Vergleich zum Vorentscheid geändert. Vielleicht ist aber auch genau das das Problem? Aktuell ist er das Schlusslicht der Top 15.

Deutschland: Jendrik konnte die Zweifler auch mit seinem Auftritt nicht überzeugen. Kurz vor den Proben auf Platz 24 ging es danach direkt 9 Plätze abwärts. Schade und ein herber Rückschlag für alle die auf einen Michael Schulte Effekt gehofft hatten.

Nice to Know

Österreich: Vincent Bueno konnte, entgegen der Meinung vieler, durch seinen Auftritt nicht punkten. Er bleibt um Platz 26/27 und würde es so schwer haben sich zu qualifizieren.

Portugal: Black Mamba kratzen kurz an der Top 15, sind aber gleich wieder raus gefallen. Der Song ist nicht meiner und ich würde ihn im Halbfinale ausscheiden lassen.

San Marino: Senhit springt zwischen Platz 10 und 15 hin und her. Anscheinend ist der Song so etwas wie ein Überraschungsei, bis Flo Rida endlich die Bühne betritt. Das werden wir dann wohl erst nächste Woche sehen.

Die Proben des zweiten Halbfinals 2021

Auch im zweiten Halbfinale gibt es ein paar Acts deren Auftritt wenig bis keine Überraschung bieten. Allesn voran Dadi der seinem bekannten Stil treu geblieben ist und noch nicht einmal die Klamotten im Vergleich zum vergangenem Jahr sichtbar verändert hat. Die halbrunden Keyboards sind aber schon ein Hingucker. Uku hat sich das Bühnenbild seines Vorgängers Viktor Krone ausgeliehen und performt jetzt bei Storm im Hintergrund. Im Gegensatz zu Rafal sind die beiden Auftritte stimmlich gut. Der Pole offenbart hier doch deutliche Schwächen. Das Bühnenbild hat er weitgehend aus seinem Video übernommen nur in langweilig und unbunt. Was ist das in diesem Jahr? Am deutlichsten wird es bei Hurricane. Für mich die größte Enttäuschung im zweiten Halbfinale. Schwarz-Weiß ist einfach zu langweilig im Vergleich zu ihrem Bonbonfarbenen Videoclip.

Benny Cristo mit kurzen blondierten Haaren ist auch eher daneben. Es müssen ja nicht die Rastazöpfe bleiben aber dafür gehört der Stylist dazu verdammt sich 2h lang Vasils Here I Stand  in Dauerscchleife anhören zu müssen. Auch das Bühnenbild mit dne Tänzern gibt nicht allzu viel her.

Der Preis für den lahmsten Song in der Geschichte des ESC geht ganz klar an Tonike. Zumindest optisch kann der kernige Georgier punkten. Dummerweise sieht man ihn nur selten bei dem dunklen Bühnenbild. Vincent zeigt uns wie Bühnenpräsenz geht. Der Song ist für mich aber deutlich schwächer als der vom vergangenen Jahr. Achja, Breaking News: Tamara hat bei Samantha angerufen und will ihr Bühnenoutfit von 2019 zurück. So einen gruseligen Song will sie einfach nicht unterstützen. Auch bei Nathalia hätte ich mir mehr Farbe gewünscht. Die zuckersüßen Jungs hat sie zumindest mitgebracht aber so ein richtiges Feuerwerk wird das nicht. Hier hätte ich mir auch mehr Mut bei der Inszenierung gewünscht.

Aber es gibt auch Highlights: Klare Gewinner sind für mich die Schweiz, San Marino und Bulgarien. Obwohl ich mit letzterem Song so überhaupt nichts anzufangen weiß, ist der Auftritt von Viktoria toll inszeniert. Auch Gjion macht alles um sich von seinem Vorgänger Duncan abzuheben. Senhit feuert aus allen Rohren und ich freue mich wahnsinnig auf den finalen Auftritt.

So ein bischen ratlos bin ich bei Albanien und Griechenland. Beides begeistert mich nicht wirklich. Beide stehen quasi alleine auf der Bühne. Besonders bei Stefania hätte ich mir mehr Retro Vibes gewünscht. Es ist immer das Eine, einen Retrosong in der Studioversion zu präsentieren und beim Live-Auftritt. Das haben alle bis auf Dadi in diesem Jahr nicht geschafft.

Die Proben des ersten Halbfinals 2021

Fast 2 Jahre mussten wir geduldig auf neue Proben beim Eurovision Song Contest warten. Fast schon erleichtert und entspannt und von der Befürchtung bereit, dass der Song Contest ein weiteres Mal der Covid-19 Pandemie zum Opfer fallen wird. Jetzt können wir uns endlich richtig auf neues Futter fürs Trash-Herz freuen. Wie bereits üblich stehen die ersten beiden Probetage in Zeichen des ersten Halbfinals, Montag + Dienstag folgen dann die ersten Proben des zweiten Halbfinals. Am Donnerstag darf dann zusammen mit den anderen Big 5 Jendrik seine sehr wahrscheinlich farbenfrohe erste Probe absolvieren.

Die ersten Proben sind traditionell Tests für den Sound, die Beleuchtung oder auch das Bühnenbild. So hatte beispielsweise Destiny aus Malta zwei verschieden lange Stiefel an. Hier soll wohl getestet werden, was bei dem späteren Auftritt besser zum Gesamtkonzept passt. Eine Ausnahme gab es (bisher nur) für Australien. Montaigne konnte nicht nach Rotterdam reisen und deshalb wird Ihr Auftritt nächsten Samstag mit dem vorab gedrehten Auftritt aus der Konserve kommen. Um ihr aber trotzdem Sendezeit zu geben wurden heute noch ein paar Schnipsel von dem Videodreh zusammengefasst.

Viele Künstler bleiben in diesem Jahr bei ihren Auftritten von den jeweiligen Vorausscheiden. Vermutlich wollten viele nicht das Risiko eingehen einen neuen Auftritt entwickeln zu lassen, schließlich hätte der Contest erneut abgesagt werden können. Es hätte ja auch sein können, dass ausschließlich die vorab aufgenommenen Videos der Auftritte gezeigt werden. Bei beiden Szenarien wäre das umsonst gewesen. Nichts neues gibts bei The Roop, Ana Soklic, Tusse, Montaigne, Albina und TIX.

Keine sonderlich große Veränderungen gab es bei Manizha, die allerdings in einer übergroßen Matruschka steckt, bevor sie zum Höhepunkt aus dieser ausbricht und wieder ihren schlimmen Jumpsuit trägt. Auch ihre vier Begleitsänger sind wieder so arrangiert wie beim eilig zusammen gezimmerten Vorentscheid. Hooverphonic treten so auf, wie man es erwartet hatte. Aber was will eine Band mit so einem Song schon anders machen als einfach auf der Bühne zu stehen? Das Bühnenbild muß es dann richten. Mal schauen wie es dann final aussieht.

Auch von Leslie Roy hatte ich bisher noch keinen richtigen Live Auftritt gesehen. Gesanglich ist hier noch Luft nach oben aber das wird sich bei dem finalen Auftritt deutlich professioneller anhören. Roxens Livegesang war auch unterirdisch, allerdings wird es auch schwer bei so viel Bewegung den Ton zu treffen. Auch das wird sicher noch zugunsten des Gesangs optimiert werden. Vasil hätte ich es so sehr gewünscht einen konkurrenzfähigen Song zu bekommen. Aber dieses Klangmonster mit seinem triefenden Pathos wird noch triefender auf die Bühne gepackt und dieser nochmals durch die Gestik verstärkt. Ein gruseliger Auftritt bei dem Vasil ein Trick Hemd trägt, dass ihn zu einer lebendigen Spiegelkugel werden läßt. Ob das nette Gimmick die Finalqualifikation ermöglicht, möchte ich bezweifeln. Schade!

Elena Tsagrinou bringt ihr Diablo mit einem riesigen, schräg gestelltem Spiegel auf die Bühne. Es wirkt so, als ob dann 10 Personen auf der Bühne stehen würden. Interessanter Effekt aber bisher packt mich der Auftritt noch nicht. Alles ist erstmal in Rot gehalten, Efendi und ihre Tänzerinnen tragen schwarze Strapse (Warum?). Hier hätte ich mir mehr Farbe gewünscht. Edens Auftritt ist noch etwas nichtssagend. Sie hat die volle Anzahl von 5 Tänzern mitgebracht. Positiv überrascht haben mich Go_A, deren weiß gehaltenes Bühnenbild nur von der grünen Stola von Sängerin Kateryna durchbrochen wird. Die Songhandlung wird so sehr gut visualisiert.

Mitfavoritin Destiny hat für mich keinen überzeugenden Auftritt hingelegt. Geanglich natürlich schon, aber das Bühnenbild wird dem Song in keinster Weise gerecht. Sie und ihre Tänzerinnen tragen komplett pink. Das passt einfach nicht zu dem Swing Titel. Ich möchte jetzt nicht dass sie in Klamotten der dreißiger Jahre auf der Bühne steht aber so ein bischen visuelle Übertragung des Songs auf das Bühnenbild ist für mich Pflicht. Das sahen die Buchmacher wohl ähnlich und obwohl sie auf Oddschecker noch die Nummer 1 ist, sind Frankreich und die Schweiz deutlich näher gekommen. Bei eurovisionworld ist Frankreich bereits vorbeigezogen.

Lettland 2021 – Der-geht-mir-auf-den-Keks-Song

Eigentlich mag ich ja Aminata, die sich bereits kompositorisch für die lettischen Beiträge 2015 und 2016 verantwortlich zeigte. In diesem Jahr wird Samanta Tina mit einem Aminata Song nach Rotterdam geschickt. Bereits 2020 sollte sie mit dem ähnlichen Song Still Breathing, auch unter Mitwirkung von Aminata antreten. Beide Titel haben einen sehr harten Elektronischen Kern. In dem aktuellen Song wird dieser fast zum Exzess getrieben und jede Minute wird zur vollendeten Ohrenfolter. In der Theorie ist so ein Klangerüst immer gut aber hier fast schon dilettantisch schlecht umgesetzt. Im Halbfinale zwischen Blind Chanel und Gjions Tears wird der Titel völlig untergehen.

Nordmazedonien 2021: Die singende Tristesse

Ich habe es wirklich versucht mir den Song von Vasil schön zuhören. Aber selbst nach einigen Wochen ist es mir nicht gelungen. Jedesmal, wenn bei der ESC Playlist der nordmazedonische Beitrag kommt, möchte ich mir Wachs in die Ohren stopfen. Spätestens nach 10 Sekunden wird der Drang, den Titel auszuschalten so groß dass ich weiter klicken muss. Schade eigentlich. Im vergangenen Jahr hatte er einen ausbaufähigen Titel, der wenigstens von der Melodie her gut hörbar war. Die aktuelle Ballade Here I Stand hat einfach nur dröge 3 Minuten. Aber das ist noch nicht alles. Jedesmal, wenn man während des Songs hofft, dass es nicht mehr schlimmer geht, kommen noch anstrengendere Phasen. Gruseliges Machwerk, dass wohl nur dem Komponist persönlich (Vasil) gefällt. Eindeutig und mit Abstand mein letzter Platz in diesem Jahrgang.

Russland 2021: Powerfrau mit Powersong – Now Revamped

Wie geil ist denn bitte der Song aus Russland? Zugegeben, der Rap-Part in dem Song Russian Woman von Manizha ist etwas gewöhnungsbedürftig und auch der Auftritt wirkt etwas amateurhaft im Vergleich zu den gewohnten oppulenten russischen Auftritten. Wir haben hier, vielleicht zum ersten Mal in 20 Jahren einen authentischen Song, den man der Sängerin sofort abnimmt und dabei auf jeglichen Schnickschnack verzichtet. Der Song bekommt noch einen Revamp verpasst, wie inzwischen bekannt wurde. Wahrscheinlich war die Zeit vor dem spontanen Vorentscheid zu knapp um eine ausgefeiltere Version zu performen. Vielleicht bekommt man den Rap noch etwas glattgebügelt um den Massengeschmack beim ESC besser zu treffen. Meiner Meinung nach ist Russian Woman ein Rohdiamant, der nur noch etwas geschliffen gehört um so richtig konkurrenzfähig zu werden. Ich bin sehr gespannt.

Jetzt gibt es auch die neue Revampte Version des Songs. Sie ist jetzt nicht mehr so hart im Rap wie bei der Live Version. Alles wirkt etwas massenkompatibler. Mir gefällt der Rhythmus des Songs sehr gut und glaube mit seinen Ethnoklängen könnte er schließlich doch die Herzen einer Zuschauer für sich gewinnen. Vielleicht werden die Lyrics noch einmal bis zum Contest überarbeitet.

Alte Live-Version:

Skandälchen, die Dritte: Russlands Lied wird untersucht

Wie die Moscow Times gestern bekannt gab, wird der russische Song von den zuständigen Behörden auf illegale Inhalte hin überprüft. Die Union der russisch-orthodoxen Frauen hatte sich wohl über den Text des Songs beschwert. Er untergrabe die patriarchalische Familie und schürt Hass gegen Männer. Ich glaube nicht, dass dies große Auswirkungen auf den Beitrag haben wird. Aber ich finde es sehr bedenklich, dass es im heutigen Jahrzehnt noch Bedenken gegen Emanzipation oder wie im Falle von Vasil in Nordmazedonien, gegen Ethnien oder sexuelle Orientierung in Europa gibt. Konservative denken immer, man würde ihnen was wegnehmen, wenn andere mehr Rechte fordern. Wie wird das in Zukunft werden? Wir bekommen nur noch weichgespülte Liebeslieder, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass der Beitrag zurückgezogen wird? Bedenkliche Entwicklung!

Anstehende Veranstaltungen

Es gibt derzeit keine bevorstehenden Veranstaltungen.

LandInterpret(VE)Song
Albanien AlbanienAngela PeristeriKarma
Armenien Armenienzurückgezogenzurückgezogen
Aserbaidschan AserbaidschanSamira EfendiMata Hari
Australien AustralienMontaigneTechnicolor
Belgien BelgienHooverphonicThe Wrong Place
Bulgarien BulgarienViktoriaGrowing Up Is Getting Old
Dänemark DänemarkFyr og FlammeØve os på hinanden
Deutschland DeutschlandJendrik StigwartI Don’t feel Hate
Estland EstlandUku SuvisteThe Lucky One
Finnland FinnlandBlind ChanelDark Side
Frankreich FrankreichBarbara PraviVoilá
Georgien GeorgienTornike KipianiYou
Griechenland GriechenlandStefaniaLast Dance
Irland IrlandLesley RoyMaps
Island IslandDaði & Gagnamagnið10 Years
Israel IsraelEden AleneSet Me Free
Italien ItalienMåneskinZitti e buoni
Kroatien KroatienALBINATick Tock
Lettland LettlandSamanta TīnaThe Moon Is Rising
Litauen LitauenThe RoopDiscoteque
Malta MaltaDestinyJe Me Casse
Moldawien MoldawienNathalia GordienkoSugar
Niederlande NiederlandeJeangu MacrooyBirth of a New Age
Nordmazedonien NordmazedonienVasilHere I Stand
Norwegen NorwegenTIXFallen Angel
Österreich ÖsterreichVincent BuenoAmen
Polen PolenRafałThe Ride
Portugal PortugalThe Black MambaLove Is On My Side
Rumänien RumänienRoxenAmnesia
Russland RusslandManizhaRussian Woman
San Marino San MarinoSenhitAdrenalina
Schweden Schweden13.03.2021Melodifestivalen 2021
Schweiz SchweizGjon's TearsTout l'univers
Serbien SerbienHurricaneLoco Loco
Slowenien SlowenienAna SokličAmen
Spanien SpanienBlas CantóVoy a quedarme
Tschechien TschechienBenny CristoOmaga
Ukraine UkraineGo_ASHUM
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes KönigreichJames NewmanEmbers
Weissrussland WeißrusslandGalasy ZMesta>Ya nauchu tebya (I'll Teach You)
Zypern ZypernElena TsagrinouEl Diablo
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